Tobias Weichberger


Tobias Weichberger wurde 1951 in Bremen geb, verbrachte seine Kindheit in Worpswede, studierte dann zunächst an der „ Bremer Hochschule für Gestaltung“ und ab 1974 an der
Hochschule für „ Bildene Künste“, in Berlin bei Prof. Bergmann. 1980 kehrte er nach Worpswede zurück, wo er nach seinem allzu frühen Tod 1998 auf dem dortigen Friedhof begraben liegt.

Er war Zeichner, Radierer und Maler. Ab 1977 wurden seine Arbeiten vielfach ausgestellt. Einzelausstellungen fanden u.a. in Berlin, Bonn, Hamburg, Münster, Oldenburg und Worpswede statt.
1989 erhielt er den Förderpreis Kultur des Landkreises Osterholz- Scharmbeck.
Tobias Weichberger hat ca. vierzig großformatige Aktbilder gemalt, die er „Meine Madames’s“ nannte. Die jetzige Ausstellung bezieht sich ausschließlich auf die Präsentation der „Madame’s“.
Die meisten von ihnen entstanden in den Jahren 1989 und 1990.
Oft sind sie als Dyptichon gestaltet: Zwei Frauen oder ( seltener) als Paar Frau - Mann. Die Titel sind durch Zahlen ausgedrückt.
Die Figuren entstehen als flächige Körper in der Farbe des benutzten Packpapiermaterials mit sparsamen Binnenstruktur – Pinselstrichen, der umgebene Hintergrund ist schwarz. In diesem Schwarz leuchtet matt - rot an einer Stelle des Bildes eine dreizifferige Zahl, zum Beispiel 315. Bei einigen wenigen Arbeiten ist der Hintergrund mit farblich zurückhaltenden Mustern, wie Streichhölzern, Spermien, Fantasieblumen tapeziert.
Die „ Madame’s “ sind bisweilen mit Accessoires bedacht: durchsichtige weiße Leibchen, ein Handtuch, eine rote Blume.
Der Künstler benutzte für diese Bilder braunes Packpapier, schwarze Wasserfarbe, selbst gemischte Leime, sowie Kreide in mehreren Farbvariationen. Mit Kohlestift wurden die Umrisse des Aktes vorgezeichnet, mit der wässrigen Schwarzfarbe der Hintergrund aufgetragen. Die Körperkonturen wurden dann mit ebenfalls schwarzen
Pinselstrichen gezogen. Nach der Trocknung des Bildes entstand eine Oberflächenwellung, besonders in den Schwarzbereichen. Mit weißer und roter Kreide erfolgte die Betitelung des Bildes mit einer Ziffernfolge und bei einigen Arbeiten zusätzlich mit Zeichensetzungen. Über alles legte dann der Künstler eine mehrphasige Leimschicht, die die bis dahin flächig gebliebenen Körperareale mit einem Mikrorelief belebte.
Als Ergebnis erblicken wir ein Wunder: Erotische selbstverständliche Frauenbildnisse die lustvoll einfach sind. Sie sind „Alles“, umgeben vom „Nichts“. Selbst die mathematische Chiffre einer Zahl wirkt ohnmächtig gegenüber diesem allmächtigen Duft des Lebendigen.

Knut Bortfeldt
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Titel: Madame 120
für weitere Informationen: info@galerie-rulaender.de