Paul Wunderlich

geboren 10.03.1927 in Eberswalde, Mark Brandenburg gilt mit seinen Arbeiten als einer der Hauptvertreter des sogenannten ,,Phantastischen Realismus". Der Künstler Wunderlich war von seinen künstlerischen Anfängen an ein Individualist - ein Individualist allerdings, der wusste, dass Individualität sich nur dann behaupten kann, wenn sie das Handwerk als pièce de résistance beherrscht. Individualität ohne Handwerk ist gar nicht bzw. nur fragmentarisch wahrnehmbar. Schaut man sich die Arbeiten dieser Werkschau an, die Wunderlichs künstlerische Entwicklung von mehr als 30 Jahren zeigt, so bemerkt man die Konsequenz seinen Lebenswerkes. Es führt von malerischer Freiheit zu wachsender Selbstdisziplin, von Abbildern der Realität zur philosophischen Erkenntnis, dass die Unwirklichkeit die Quintessenz der Realität bildet. Für Wunderlich galt die Linie als eine die Form beherrschende Kraft und als wichtigstes ästhetisches Medium: als Medium für die Fläche, aber auch als Medium der Transposition der Fläche im Raum. So verbindet in Wunderlichs Arbeit die Linie, die die Form bestimmt, die Zeichnung mit Malerei und Plastik. Pointiert kann man für Paul Wunderlichs Werke sagen, dass Malerei und Plastik sich darin wie Variationen der Linie durch Farbe und Raum ausnehmen. Eros und Tod sind bei Wunderlich immer wiederkehrende Themen: beide Aspekte betrachtet er, wie nicht nur die Blätter des Giacomo Joyce-Zyklus zeigen, als einander zugeordnet. Auch schon in den frühen Bildern bis zur Mitte der 60er-Jahre sind Vergänglichkeit und Leben in der Dualität von Thanatos und Eros vereint: - In der Lust des Augenblicks wird nichts anderes sichtbar als eine der Verwesung nahe kommenden Auflösung. - Wer Eros als Nachbarn des Todes sieht, besitzt keinen Sinn für das Verdeckende - Erotik und Sexualität stellt Wunderlich unverblümt vor den Betrachtenden, als Zeichen, als Abstraktion und nie in der platten Wiedergabe des Szenischen. Aus dieser Unmittelbarkeit und Stilisierung erreicht Wunderlich auch die Spannung seiner erotischen Themen, in den Bilder zu dem einzigen vom ihm bevorzugten Liebesgedicht, dem Hohen Lied Salomonis, in den mythischen Gestalten von Nike und Minotaurus, von Penthesilea und Hermaphrodit. Betrachtet man die Folge der Bilder der letzten 30 Jahre, so zeigt sich, dass Wunderlich für die Gesellschaft wenig Verständnis aufbringt; identifizierte Personen sind immer wieder seine Frau Karin Székessy, die er 1963 durch die Zusammenarbeit kennengelernt hat, seine Familie sowie einige Freunde. Alle anderen Personen bleiben in der Anonymität. So war ihm auch der engste Kreis der Familie immer wichtiger als der sogenannte Kunstbetrieb. Um es mit anderen Worten zu sagen: Der Bulldog Anton stand ihm näher als Vertreter des kulturellen Establishments, und der Diebstahl von Lithographien traf ihn mehr als hämische Kritik.
Hauptmenü
Titel:
Mit Federhut und schwarzem Mantel
Farblithografie
1973
Auflage: 100
handsigniert und nummeriert
Blattgröße: 65,7 x 50,5 cm
Plattengröße: 54,5 x 41,3 cm
Werkverzeichnis: Riediger 437

für weitere Informationen: info@galerie-rulaender.de